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Blogs: Instrumente zur Selbstbestimmung ?

Wohl vor allem an die Adresse von Großunternehmen, die Blogs als Instrument des internen Wissensmanagement nutzen, ist der aktuelle Beitrag von Gabi Reinmann zur Learntec 2008 gerichtet. Vor dem Hintergrund der von Deci und Ryan entwickelten Selbstbestimmungstheorie untersucht Sie gemeinsam mit Tamara Bianco die Bedeutung von sogenannten “Knowledge Blogs”. Gemeint sind damit Blogs, die nach Martin Röll, vor allem im Intranet als Erfahrungsspeicher einer Organisation genutzt werden. Eines der Fazits dieser Untersuchung:

“Wer in der Praxis große Hoffnungen auf Knowledge Blogs setzt, wer damit Wissens- und Lernprozesse verbessern, Motivation erhöhen und Leistungen optimieren will, wer dabei auch noch erwartet, etwa ökonomische und humanistische Ziele gleichermaßen zu erreichen, der muss wissen: Nur unter der Prämisse, dass das Bloggen selbstbestimmt erfolgt und dabei grundlegende psychologische Bedürfnisse erfüllt, darf auf solche Effekte hoffen. Und das herzustellen, ist keine eben leichte Aufgabe!”,

schreiben Gabi Reinmann und Tamara Bianco in diesem Artikel.

Auch wenn sich der Artikel nicht auf offene Aktivitäten in der Blogosphäre bezieht und das Bloggen an Schulen und Universitäten nicht zum Gegenstand hat, regt er doch an, auch in diesem Bereich über den Sinn des Bloggens genauer nachzudenken.

Für mich sind es insbesondere drei Faktoren, die das Bloggen interessant machen:

  1. Recherchieren von Informationen
  2. Selbstbestimmte Auswahl und Kategorisierung dieser Informationen
  3. Reflexion dieser Informationszusammenstellung im Austausch mit anderen Akteuren in der Blogosphäre (das meint natürlich auch: wahrgenommen, “gebookmarkt”, verlinkt, kommentiert und zitiert werden von anderen Akteuren im entsprechenden Themenfeld)

Damit jedoch dieser Austausch in der Blogosphäre tatsächlich zustande kommt, braucht es aus meiner Sicht viel Zeit und eine möglichst starke Vernetzung des Blogs auch mit anderen Web 2.0-Systemen wie Social-Bookmarking (del.ici.us, bibsonomy, etc), Social Networks (Xing, facebook, etc) und anderen Community-Systemen (flickr, wikis, usw.).

So erfüllend und befreiend diese Erfahrung als Edu-Blogger für mich ist: es wächst bei mir der Zweifel, dass sich vergleichbare Erfahrungen auf Unterrichtssituationen in Schule und Hochschule übertragen lassen. Denn zum einen ist ein Semester oder ein Schulhalbjahr zu kurz, um die beschriebenen Faktoren zum Tragen zu bringen und zum anderen verspürt nicht jeder Lernende den Drang, sich derartig intensiv mit anderen, meist unbekannten Menschen inhaltlich zu vernetzen.

Vielleicht ist es tatsächlich die beste Option, Bloggen als freiwilliges Angebot parallel zum Unterricht und über Schuljahrs- und Semestergrenzen hinweg anzubieten? Was meinen die KollegInnen, die diesbezüglich schon praktische Erfahrungen sammeln konnten?

  • Der Gabi Reinmann - Artikel (PDF)
  • Knowledge Blogs (Wikipedia)
  • Die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan
  • Blogstudie 2007 (Ansgar Zerfaß, PDF)
  • Blogs an der Hochschule - Typische Lehrszenarien
  • Lernen und Kommunizieren mit Blogs
  • Dieser Beitrag wurde angeregt durch den Artikel “Knowledge Blogs zwischen Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit” , angekündigt im e-Denkarium Blog von Gabi Reinmann.



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    14 Reaktionen zu “Blogs: Instrumente zur Selbstbestimmung ?”

    1. Marcel

      Hallo Wolfgang,

      zum Thema freiwilliges Bloggen in Lehr-/Lernszenarien hatte ich aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen bei Helges Beitrag schon etwas kommuniziert:
      http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=329#comment-14940

      Ich denke komplett freiwillig von Anfang an wird nicht funktionieren und ich glaube, dass die E-Portfolio-Methode für eine langfristige Etablierung des Bloggens entscheidend beitragen kann. Das wird sich aber bei unseren Studis erst in einem Jahr genauer zeigen.

      Beste Grüße
      Marcel

    2. Wolfgang Neuhaus

      Hallo Marcel,

      ein E-Portfolio wird ja auch nicht veranstaltungsbezogen geführt sondern eher begleitend zu allen Veranstaltungen eines Lernenden, oder ? Da fängt dann das Bloggen an wieder Sinn zu machen. Wobei ich auch da eine Verpflichtung für fragwürdig halten würde.

    3. Marcel

      Hallo Wolfgang,

      das stimmt…grundsätzlich verfolgt der E-Portfolio-Gedanke ein größeres Ziel. Ich finde aber, man sollte mit kleinen Schritten anfangen, sonst fühlen sich die Studierenden überrumpelt. Sie müssen zunächst erstmal den Mehrwert für sich erkennen am konkreten Beispiel, um ihn dann selbstgesteuert auf ihre anderen Szenarien bzw. Seminare anwenden zu können. Deshalb haben wir sie zunächst in einem Seminar dazu angeleitet, ihr Print- oder Web-Projekt, welches über zwei Semester entsteht, reflektierend zu begleiten. Danach wollen wir ihnen den Freiraum lassen selbst zu entscheiden, wie und ob sie ihr E-Portfolio weiterführen wollen. Anreize dazu müssen aber natürlich in weiteren Seminaren geschaffen werden.

      Das mit der Verpflichtung ist wirklich so eine Sache. Ich glaube, dass Studierende gerne Ihre Aufgaben erfüllen wollen und immer sofort wissen möchten, wie wichtig das für ihre Bewertung ist - sie brauchen Klarheit und Transparenz, um ihr Zeitmanagement zu gestalten. Wenn man ihnen dann mal salopp sagt: “Nutzt es halt erstmal, wie ihr denkt und dann schauen wir, was sich daraus entwickelt”, wird ihre Aktivität sicherlich bei Zeiten einschlafen oder im schlimmsten Fall gar nicht erst anfangen. Da gibt es eine gute Floskel, die hier ganz gut passt, denke ich: “Jemand zu seinem Glück zwingen”. Wobei sich natürlich noch herausstellen muss, ob E-Portfolios oder Blogs wirklich mit Glück gleichgesetzt werden können ;-)

    4. Mediendidaktik » Blog Archiv » Lernen und Kommunizieren mit Blogs

      […] Blogs: Instrumente zur Selbstbestimmung?    (Mediendidaktik, 2008) […]

    5. Thorsten S.

      Hallo Wolfgang,
      ich als Student an der Uni Bremen habe in einem Seminar für Elementarteilchenphysik einen QUARKBLOG vorgeschlagen. ( http://quarkblog.wordpress.com/ ) Hier sollten Beiträge zum Seminar gesammelt und die Ausarbeitungen für den Dozenten abgespeichert werden. Am Anfang war das Interesse sehr groß, da ich der Administrator des Blogs war konnte ich verfolgen wie häufig diese Seite aufgerufen wurde. Es hat sich herausgestellt, das einiges wohl gelesen wird aber kaum einer von meinen Kommilitonen etwas dazu beitragen wollte. Vorsichtig nachgefragt kamen Antworten: “Dann müsste man ja auch noch alle anderen Beiträge lesen. Der Zeitaufwand ist zu groß. Ich möchte lieber erst meinen Beitrag fertig haben, bevor ich ihn abgebe.” Ich glaube es ist immer wieder das gleiche Dilemma. In der Schulzeit und auch im Studium werden nicht wirklich angenehme Lernumgebungen geschaffen, wo auch mal ein “Fehltritt” verziehen wird. Lieber seine Arbeit im stillen Kämmerlein erarbeiten, dann von einem guten, eingeweihten Freund die Arbeit lesen und korregieren lassen und ohne Aufmerksamkeit zu erzeugen die Arbeit schnell dem Dozenten geben. Somit aus den Augen und aus dem Sinn. Ich bedauer dies ein wenig, da ich mein Blog auch für meine Prüfungsvorbereitung benutze. Fachliche Kommentare kommen nur selten zurück.
      Gruß
      ThS

    6. Wolfgang Neuhaus

      @ Thorsten
      Du benutzt den Blog quasi als kleines Learning Management System, das öffentlich geführt wird. Ich denke da liegt nicht unbedingt die Stärke von Blogs. Ich habe an dieser Stelle auch Verständnis für die Kritik Deiner kommilitonen. Ich denke Blogs sind da stark, wo es darum geht aus persönlicher Perspektive ein komplexes Themenfeld zu recherchieren. Wie diese Recherchen dann zu einem Produkt, Semesterarbeit, Referat oder was auch immer ausgwertet werden ist dann noch eine zweite Frage, für deren Lösung man sicherlich auch noch andere Tools einsetzen muss (z.B. PowerPoint, Word oder ein Wiki) .

      @ Marcel
      Ja und dann denke ich schon, dass die Thesen von Gabi Reinmann vermutlich auch in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Ich denke es ist gut, den Lernenden einen Arbeitsauftrag zu geben.Wir sollten es ihnen aber selbst überlassen, welche Werkzeuge sie für die Realisierung nutzen (Blogs, Wikis, Social Bookmarking, Google-Suche usw), . Man kann ihnen die Vorteile von Blogs erläutern aber sicherlich ist es auch möglich ein Referat ohne eine Recherche mit Hilfe von Blogs zusammenzustellen.

    7. Thorsten S.

      Hallo Wolfgang,
      vielleicht habe ich mich nicht richtig ausgedrückt. Richtig ist, das ich mein privaten Blog ( http://bremerstudiblog.wordpress.com/ ) als Learning Management System benutze (oder auch Logbuch). Allerdings habe ich auch einen speziellen Seminarblog ( http://quarkblog.wordpress.com/ )angelegt, den ich oben angeführt habe. Hier sollten sehr wohl Ergebnisse für das Seminar zusammengetragen werden und zwar sollte jeder Student ein Kapitel aus einem Skript zusammenfassen und kommentieren. So hätte man zum Schluss des Seminars wunderbar alle Ergebnisse zusammen. Und es hätte die Möglichkeit bestanden sich gegenseitig zu unterstützen. Einige Artikel hatte ich zusätzlich geschrieben, wie zum Beispiel die Suche nach den Higgs Teilchen. Das war allerdings schmückendes Beibwerk, um den Blog interessanter zu machen.
      Zum Seminarende hatte unser Dozent auch schriftliche Abgaben akzeptiert und das hat dem Blog den Rest gegeben und wurde nicht mehr frequentiert.
      Hm, vielleicht liege ich doch falsch. Ich habe deinen Einwand noch einmal gelesen und verstehe ihn nun so: Es geht nicht um das Schreiben in den Blog, sondern um die Recherche zu einem Thema, bzw. um das Zusammentragen von Informationen?

      Gruß

      ThS

    8. Wolfgang Neuhaus

      Hallo Thorsten, Du schreibst:
      “Es geht nicht um das Schreiben in den Blog, sondern um die Recherche zu einem Thema, bzw. um das Zusammentragen von Informationen?”

      Genau! Ich denke einen Blog zu betreiben ist eine recht effiziente Art, Informationen zu einem Thema zusammenzutragen. Sie sind dann schon grob sortiert nach Kategorien und Tags, möglicherweise verknüpft mit vielfältigen anderen Quellen oder Diensten (del.icio.us, Homepages, andere Blogs etc.). Allerdings würde ich ein solche Recherche nicht als Endergebnis einer Seminararbeit betrachten. Für mich wäre das gefüllte Blog eine perfekte Grundlage, daraus meine Seminararbeit im klassischen Format zu erstellen (z.B. PowerPoint, Word, PDF oder Wiki). Und im Gegensatz zu vielen Web 2.0-Apologeten halte ich es für wesentlich, so einer Arbeit eine sachlogische oder taxonomische Struktur zu geben. Tags im Kontext des Lernens sind keinesfalls die Lösung aller Probleme …

    9. Thorsten S.

      Hallo Wolfgang,

      das ist tatsächlich ein etwas anderer Standpunkt. Als ich mit meiner Zusammenfassung ( http://quarkblog.wordpress.com/2007/11/13/zusammenfassung-kap-11-1/ ) begann, habe ich automatisch meinen Text verlinkt, um zusätzliche Informationen einzubinden und um meine Kritik zu untermauern. Diese Arbeitsweise ist aber den meisten Studenten nicht bekannt. Man muss bei Projektbeginn auf die Stärken eines Blogs hinweisen. Dazu fehlt in einem normalen Seminaren meistens die Zeit oder anders ausgedrückt werden andere Dinge als wichtiger erachtet, als sich mit der Ergebnissicherung zu beschäftigen.
      Hinzu kommt noch, das viele Quellen als nicht akzeptabel werden, Stichwort Wikipedia. Von Kommilitonen die Geschichte studieren wird immer wieder berichtet, das deren Dozenten Arbeiten verbessern lassen, wenn Wikipedia als Quellenangabe genannt wird. Wer schon einmal versucht hat bei Wikipedia einen Artikel zu verfassen wird überrascht sein, welche Qualitätssicherung bei Neuartikeln in gange kommt. Siehe Bericht von Helge Städtler ( http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=310 ). Aber das ist schon wieder eine andere Baustelle.
      Auf alle Fälle betrachte ich jetzt meinen Blog noch ein wenig anders. Mehr als Sammelpool für Informationen. Das wird mir auf alle Fälle weiterhelfen, wenn ich mit meiner Examensarbeit beginne.

      Gruß

      ThS

    10. E-Learning-Blog

      Voraussetzungen für die Einführung von Knowledge Blogs in Organisationen

      Gabi Reinmann und Tamara Bianco haben im Februar einen interessanten Arbeitsbericht veröffentlicht:
      Knowledge Blogs zwischen Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit. Aus dem Abstract:

      Der Beitrag greift das Thema Blogs und dieses Defizi

    11. Voraussetzungen für die Einführung von Knowledge Blogs in Organisationen | Tim Schlotfeldt und Bildungsberatung

      […] Mediendidaktik: Blogs: Instrumente zur Selbstbestimmung ? –> […]

    12. Randnotizen » Blog Archive » Arbeitsbericht zu Knowledge-Blogs

      […] education & media Blog Mediendidaktik Tara’s Weblog weiterbildungsblog Sandra in the Sky Ronis Welt e-Denkarium Theta-Welle E-Learning-Blog […]

    13. Christian Spannagel

      Hallo,

      ich habe bereits im letzten Jahr die Theorie von Deci & Ryan auf den Einsatz von Weblogs in der Lehre bezogen. Hier ist der Artikel dazu:

      Spannagel-Beitrag-Web 2.0

      Vielleicht interessiert er Sie?

      Viele Grüße,

      Christian Spannagel

    14. Wolfgang Neuhaus

      Spannend!
      Danke für den Hinweis.

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