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Zeit- und ortsunabhängig Lernen

Als wichtiger Vorteil des “E-Learnings” gegenüber klassischen Formen des Lernens wird häufig pauschal die Zeit- und Ortsunabhängigkeit solcher Lösungen betont. Übersehen wird bei dieser Argumentation gerne, dass es zwei weit verbreitete Medien gibt, die in diesem Punkte den klassischen E-Learning-Anwendungen deutlich überlegen sind: das ausgedruckte PDF-Dokument und das Buch.

Während die E-Learning-Anwendung immer an den Ort gebunden ist, an dem der Internet-Zugang und/oder die Stromquelle verfügbar ist, gibt es beim PDF und beim Buch diesbezüglich keinerlei Einschränkungen. Das ausgedruckte PDF kann immer und überall gelesen und verarbeitet werden.

Bei der Erarbeitung von Texten mit großem Seitenumfang ziehe ich eigentlich immer das ausgedruckte Dokument dem Hypertext vor. Ein erhöhtes Lernpotential von Hypertexten gegenüber Print-Texten lässt sich laut einer Studie, die an der Universität Tübingen entstand, übrigens auch nicht belegen (”Lernen mit Hypertext”, Dagmar Unz, Münster/New York 2002, S. 148).

Die Stärken der Informationstechnologien sehe ich eher darin, dass ich einen deutlichen Zeitgewinn beim Suchen und Verfügbar machen von relevanten Texten und Medien habe. Ich spare Zeit und Wege. Das Lernen jedoch findet dann in der Regel jenseits des Monitors statt.

Das Erstellen von Hypertext, also der handelnde Umgang mit diesem, hat leichte positive Effekte bezüglich des Lernens beim Autoren (nicht etwa beim Leser) eines Hypertextes, so ein weiteres Ergebnis der Studie von Unz. Diese Ergebnisse werden auch durch eine aktuelle kritische Untersuchung von Melina Pichler (Fachbereich Informatik, Universität Ulm) bestätigt.

  • Studie: Lernen mit Hypertext (Dagmar Unz, 2002)
  • Review der Studie bei FQS (PDF)
  • Lernen mit Hypertext und Hypermedia (Melina Pichler, 2007, PDF)


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    5 Reaktionen zu “Zeit- und ortsunabhängig Lernen”

    1. Helge Staedtler

      Ich geb Dir völlig Recht! Vor allem ist ja der Witz, das das angeblich von den gängigen Dimensionen wie Raum und Zeit losgelöste Lernen ganz offensichtlich wieder eine Problem ist, dass es zu beheben gilt. Die Präsenzforschung belegt eindrucksvoll, das genau diese Raum- und Zeitlosigkeit als Problem angesehen wird.

      Man unterscheidet sogar zwischen Präsenz- und Distanz- bzw. Absenzlernen. Ich finde daran wird besonders deutlich, dass E-Learning bzw. Lernen ohne Raum- und Zeitbezug gravierende Nachteile hat und keinesfalls unabhängig von diesen Dimensionen ist.

      Gruss, Helge

    2. Wolfgang Neuhaus

      Hört sich interessant an. Was ist denn Präsenzforschung? Hast Du da irgendwelche Links oder Literatur-Tips?
      Wolfgang

    3. Helge Staedtler

      z.B. einfach mal bei google scholar nach “presence” oder “telepresence” suchen. bestes beispiel ist aber gerade, dass virtuelle welten wie second life z.B. offenbar genau das manko der räumlichen trennung der menschen wieder beheben sollen. je weniger auffällt das die menschen voneinander getrennt vor dem rechner nsitzen um so besser ist second life. deshalb wird an der grafik gearbeitet um die besser zu machen und an zig anderen stellschrauben.

      es reicht aber eben auch schlicht aus, sich einmal zu fragen, was den zeitunabhängig heissen soll, oder raumunabhängig. dann wird eigentlich fix klar, dass lediglich ein positionsunabhängiger zugang zum medium gemeint ist und nicht ein lernvorgang, der unabhängig vom raum stattfindet. aber dieser positionsunabhängige zugang ist eben auch nicht gegeben (je nach land unterschiedlich, isp-abhängig, stromversorgung, geld für rechner, know how für software, usw.)

      raum- und zeitunabhängiges lernen ist nichts weiter als eine sprachliche verirrung. lernen folgt genauso einem tagesform-rythmus wie essen und schlafen. also ist auch das schon völlig in frage zu stellen.

      Ein guter Start in sachen links/literatur ist folgende URL:
      http://jcmc.indiana.edu/vol3/issue2/lombard.html

    4. Wolfgang Neuhaus

      “Lernen folgt genauso einem Tagesform-Rythmus wie Essen und Schlafen.” Diese Aussage gefällt mir gut, muss ich mir merken … Danke für den Link!
      Wolfgang

    5. Helge Staedtler

      Na ja leg es jetzt nicht auf die Goldwaage was ich schreibe, aber ist doch so: Der normale Mensch ißt nix nachts um 3 oder 4 Uhr, so von wegen zeitunabhängiges Essen. Auch schläft der “normale” Mensch (keine Schichtarbeiter) nicht mitten am hellichten Tag (zeitunabhängiges Schlafen). Und Lernen abends nach der Arbeit wenn man müde ist, da muss man nur mal die fragen, die sich neben dem Beruf weiterqualifizieren, das ist extrem schwer! Genauso Lernen morgends um 7:45 Uhr (war für mich in der Schule immer verlorene Zeit) - vonwegen zeitunabhängiges Lernen.

      Dagegen dürfte es eben für das Lernen genauso optimale Zeiten geben, wie für das Schlafen und Essen. Das vermute ich mal aufgrund meines natürlichen Verstandes. Kann auch sein, dass ich da falsch liege, aber die Chronobiologie sagt eigentlich genau das!

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